Donnerstag, 10. September 2020

Taunus Bikepacking, 1000 Kilometer und 15000 Höhenmeter und nur 4 Tage Zeit

Eigentlich sollte das Taunus Bikepacking schon im Juni stattfinden, und damit als Vorbereitung für mich für die Bikepacking Trans Germany dienen. Wegen Corona hat Jesko von Werthern den Start allerdings auf den September verschoben. Mit den Erfahrungen der BTG wollte ich mir nun eine neue Herausforderung setzen. Mein Zug fuhr am Sonntag um 10:16 Uhr am Bahnhof in Hofheim ab. Start war am Mittwoch um 8:36 Uhr. Das bedeutete ich hatte etwas mehr als 4 Tage Zeit. Ich war mir nicht wirklich sicher ob das zu bewältigen war.


Ich wollte gut erholt an den Start gehen und nahm mir deshalb ein Zimmer in der Nähe des Starts. Abends nochmal schön gegessen und dann früh ins Bett. Morgens ein ordentliches Frühstück und ab zum Start. Gestartet wurde wegen Corona in Abständen von einer Minute, der erste fuhr um 8:00 Uhr los. Ich war um 8:36 dran.


 

Während ich auf dem Weg zum Start und den ersten Höhenmetern noch das Gefühl von schweren Beinen hatte, spürte ich davon nach dem Start gar nichts mehr. Mit super Beinen machte ich ordentlich Druck. Der Leistungsmesser zeigte mir an fast jeder Steigung über 300 Watt an, es fühlte sich jedoch überhaupt nicht so an. Da ich mittlerweile schon einige Erfahrung bezüglich der Intensität habe, wusste ich das ich so einige Zeit fahren kann. Aber übertreiben sollte ich es auch nicht.

Mein Plan war diesmal möglichst wenig Standzeiten zu haben. Deswegen eher Tanke statt Supermarkt. Und Essen, wenn möglich, auf dem Rad.



Nach und nach holte ich einige der vor mir gestarteten Teilnehmer und Teilnehmerinnen ein und fuhr meistens alleine. An der ersten Fähre traf ich dann auf mehrere Fahrer und endlich konnte ich in einer Gruppe fahren. Irgendwann wurde die Gruppe wieder kleiner und eine Zeitlang fuhr ich mit Ina, einer sehr starken Niederländerin die jetzt in Luxemburg lebt, alleine. Wir hatten sehr viel zu erzählen und die Zeit verging schnell.



 

Ich hatte mir morgens schon Verpflegung gekauft und so brauchte ich nicht zum Einkaufen anzuhalten als die Gruppe einkaufen wollte.

Zwischenzeitlich fuhr ich zusammen mit Georg, einem Triathleten und Vorsitzenden des größten Frankfurter Triathlon Vereins. Er hat eine Spendenaktion für die Welthungerhilfe ins Leben gerufen.

Spendenaktion Welthungerhilfe

 Habe zuhause gleich etwas gespendet, tolle Aktion!  





Meine Plan war jeden Tag mindestens 250 Kilometer und 3750 Höhenmeter zurückzulegen. So steuerte ich am ersten Tag nach 255 Kilometern und 3712 Höhenmetern die erste Hütte an.


 



Tag1
Kilometer: 256
Höhenmeter: 3712
Fahrzeit: 13:23

Nach einer lausig kalten Nacht startete ich kurz vor 5 Uhr morgens. Ich hätte gerne dickere Handschuhe gehabt, es war immer noch sehr kalt! Die Beine waren sehr gut und es rollte super. Doch dann auf einer geteerten Straße das fiese Zischen von schlagartig entweichender Luft! Irgendetwas hat die Seitenwand vom Hinterradreifen aufgeschlitzt. Da half auch keine Milch, also neuen Schlauch rein. Zum Glück nur ein kleiner Cut.






Heute wollte ich auf jeden Fall bis zum Checkpoint kommen. So 30 Kilometer vorm Checkpoint ein Auto auf dem Feldweg. Regte mich schon auf, weil ich durch die blendenden Scheinwerfer kaum etwas sehen konnte. Beim Näherkommen erkannte ich dann Jesko, den Organisator der Tour. Eine tolle Überraschung!
Bei Kilometer 500 dann der Checkpoint. War schon sehr gemütlich mit Lagerfeuer und diversen Naschereien. Und noch eine Überraschung, Holger Loosen vom Eifel Graveler war auch da.

Leider blieb mir nicht viel Zeit, zu meiner eigenen Überraschung lag ich mittlerweile auf dem zweiten Platz. Dachte ich jedenfalls.

Also weiter, ich fühlte mich immer noch sehr frisch. So machte ich noch ordentlich Strecke bis ich bei Kilometer 275 dann eine Schutzhütte ansteuerte. Mit 5170 Höhenmeter hatte ich mein Tagesziel deutlich überschritten.

Tag2
Kilometer: 275
Höhenmeter: 5170
Fahrzeit: 18:33

Morgens weckt mich mein Handy und das erste was ich sah ist ein Fahrradscheinwerfer auf dem Weg. Das konnte doch nur der Dritte sein, der war aber gestern noch über 20 Kilometer hinter mir! Der Morgen fing also gut an...
Also schnell die Sachen gepackt und etwas frustriert los.


Nach einiger Zeit checkte ich mal wieder die Trackingseite und stelle erfreut fest das ich doch noch an zweiter Stelle lag. Also musste das der Erste, Stephan, gewesen sein der mich morgens überholte.

Er hat sich früher einen Platz zum Schlafen gesucht und ich lag beim Checkpoint sogar an erster Stelle!

 




 

Auf einer schnellen Forstweg Abfahrt dann eine Schrecksekunde als sich bei ca. 50 Km/h einer der beiden Lenkertaschen löste und Richtung Vorderrad rutschte. Zum Glück ist sie nicht ins Vorderrad gekommen. Nicht auszudenken was dann passiert wäre. Schnell wieder mit Kabelbinder am Lenker befestigt und weiter. Übrigens passierte mir das dann später auch noch bei der zweiten Tasche. Zum Glück aber nicht auf einer schnellen Abfahrt.  





Irgendwann am Nachmittag habe ich dann üble Magenkrämpfe bekommen. Sowas habe ich manchmal, wenn ich zu wenig gegessen hatte. Kann aber nicht sein, weil ich kurz vorher ein großes Brötchen gegessen hatte. Vielleicht eher die Verdauung, oder das was davon übrigbleibt und in diesem Fall aber nicht den natürlichen Weg nehmen wollte. Kurz gesagt: Verstopfung.
Die Krämpfe hielten bis in die Nacht an. Waren immer so Schübe, da musste ich teilweise kurz anhalten und Leiden. Gut das ich alleine jammern konnte.

Wegen der Krämpfe habe ich dann etwas früher eine Schlafstelle aufgesucht.

Tag3
Kilometer: 213
Höhenmeter: 3576
Fahrzeit: 15:03

Dafür dann am Morgen schon um kurz nach vier gestartet. Ich denke es waren so zwei Stunden Schlaf. Aber die Krämpfe waren weg und ich lag sehr gut in meinem Viertagesplan. Heute in der Nacht oder spätestens früh am Morgen konnte ich das Ziel erreichen.
Heute waren viele Trails, teilweise richtig technisch, zu bewältigen. War alles gut zu fahren, aber ich wünschte mir meine 50er Reifen.

 











Kurz nachdem ich den Hausberg mit seinem Aussichtsturm erreicht hatte und auf der Abfahrt war, sah ich Björn mit seinem Lastenrad entgegenkommen. Trail Magic vom Feinsten, es gab Getränke und einen kurzen Smalltalk. Schade das ich nicht mehr Zeit hatte. Aber nochmals vielen Dank an Björn und seine kleine Begleiterin!




Gegen Abend dann mal wieder auf die Trackingseite geschaut, und ich lag in Führung! Wie konnte das sein? Stephan war immer konstant 15 bis 20 Kilometer vor mir. Aber dann bewegte sich sein DOT nicht mehr. Später bemerkte ich, dass er eine ziemlich lange Pause in einem Ort gemacht hatte.
Ob er nun einen Defekt hatte oder einfach eine längere Pause brauchte weiß ich nicht. So lag der erste Platz ziemlich unerwartet für mich in greifbarer Nähe.
Allerdings hatte sich Ina in der Zwischenzeit auf Platz zwei vorgearbeitet. Also trödeln konnte ich auch nicht. Und selbst 10 Kilometer Vorsprung können sehr schnell schrumpfen, wenn die Beine nicht mehr wollen.
Als letztes Bonbon hatte Jesko den Feldberg für uns parat. 700 Höhenmeter am Stück! Und wieder ging es mir, wie so oft am letzten Tag, richtig gut. Mit immer über 200 Watt konnte ich den Anstieg bewältigen. Es lief einfach ohne große Quälerei.
Oben angekommen empfang mich Jörn, machte eine paar Fotos und feuerte mich nochmal an.  
Die Abfahrt wurde nochmal richtig kalt, ich sehnte mich nach den beiden kurzen Anstiegen die noch kommen sollten.

Die letzten Kilometer zogen sich dann wieder, aber auch diese gingen vorbei.
Am letzten Anstieg zur Bergkapelle dann die letzten Reserven mobilisiert und im Wiegeschritt hoch, und von Jesko und einigen anderen in Empfang genommen.
Habe tatsächlich den ersten Platz gemacht, das hätte ich mir nie träumen lassen.

 



Tag4
Kilometer: 260
Höhenmeter: 4659
Fahrzeit: 18:26

Gesamtzeit: 3 Tage 17 Stunden und 28 Minuten
Höhenmeter: 17114
Strecke: 1001 Kilometer

Es lief diesmal alles bis auf die Magenkrämpfe perfekt. Ich musste mich zu keinem Zeitpunkt richtig quälen und hatte keinen wirklichen Tiefpunkt. Ich denke ich habe meine Möglichkeiten zu 100 Prozent ausgeschöpft. Mehr wäre nicht drin gewesen, was ja auch nicht nötig war.